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MISTEL (Viscum album)

Die Mistel - im Volksmund Donnerbesen, Druidenfuß, Hexenbesen, Hexenkraut, Wintergrün

Mistelbeeren

Die Mistel - botanisch gesehen

Man kennt weltweit über 1300 Arten, die in zwei Familien zusammengefasst sind: Riemenblumengewächse (Loranthaceae) mit ungefähr 900 Arten und Mistelgewächse (Viscaceae) mit ungefähr 400 Arten. Davon kommen in Europa einige wenige vor. Die bekannteste ist bei uns die weißbeerige Mistel mit mehreren Unterarten. Je nach Wirtsbaum kennt man Tannen-, Kiefern- und Laubholzmisteln.

Der meist kugelig wachsende Halbschmarotzer kann einen Durchmesser bis zu einem halben Meter erreichen. Die Blütezeit der unscheinbaren, gelbgrünen, eingeschlechtlichen Blüten ist Februar bis Mai. Die runden weißen Früchte sind Scheinbeeren. Der Samenkern ist von einem zäh-klebrigen kautschukartigen Nährgewebe umgeben. Der wissenschaftliche Name Vicum bedeutet "Klebstoff".

Dieser "Klebstoff" hat auch für die Verbreitung eine Bedeutung. Beim Fressen heftet sich der Same am Schnabel an und der Vogel versucht nun diesen klebrigen Samen durch Reiben des Schnabels am Ast los zu werden. Dadurch heftet sich dieser hoch oben in den Ästen an, der Keim kann zu wachsen beginnen.
Dass die Pflanze ein Halbschmarotzer ist, erklärt, warum die Mistel ganz ohne Bodenkontakt wächst. Sie verankert sich mit Senkerwurzeln im Ast.

Die Mistel - in der Heilkunde

Außer den Scheinbeeren sind alle Pflanzeteile der Mistel giftig, wobei die Giftigkeit von der Wirtspflanze abhängig ist.
Schon im Mittelalter war die Mistel eine wichtige Heilpflanze. Auch die moderne Schulmedizin bestätigt und verwendet ihre Heilkraft.
Ihre Inhaltsstoffe wirken blutdrucksenkend und fördern die Gefäßerweiterung, weshalb sie beispielsweise zur Behandlung von Arteriosklerose eingesetzt wird. Möglicherweise ist die Mistel auch ein geeignetes Mittel gegen Krebs.

Die Mistel - eine Zauberpflanze

Mistel an einem Baum

Da die Misteln hoch oben in den Bäumen wachsen, waren sie schon immer geheimnisvolle Pflanzen für unsere Vorfahren. Einerseits glaubte man, dass sie vor Feuer und bösen Geistern schützen könnten und hängte sie deshalb an die Hausmauer. Andererseits sollten Misteln demjenigen Glück bringen, der einen Mistelzweig geschenkt bekam.

Bei den Druiden war die Mistel die heiligste aller Pflanzen. Man schnitt sie nur im Rahmen eines Gottesdienstes. Auch die Druiden brachten die Mistelzweige über der Haustür an, um böse Geister zu vertreiben. Als Symbol des Friedens gaben sich die Feinde unter der Mistel den Friedenskuss. Auch heute noch werden in England und den USA zur Weihnachtszeit Misteln aufgehängt. Nach dem Brauch dürfen dann Frauen, die unter einem Mistelzweig stehen, geküsst werden.

Die Mistel - in der Schule

Man zerdrückt frische Mistelbeeren zwischen den Fingern. Mit dem klebrigen und zähflüssigen Schleim kann man den Samen am Ast oder einem Stück Holz fixieren. Der Schleim trocknet ein und der Same klebt am Ast fest. Nach ein paar Monaten wächst aus dem Samen ein verdicktes Füßchen, passt sich der Unterlage an und bildet eine Haftscheibe aus. Der erste Senker tritt in den Ast ein. - Bis hierher funktioniert das auch in der Klasse, wenn man die Mistelbeeren z.B. am Türstock oder einem Stück Holz anheftet.
Erst im nächsten Jahr bilden sich die Keimblätter aus. Diese fallen aber in der Regel ab, sobald sich die ersten Laubpaarblätter entfalten.

 

Fotos: Ulrike Unterbruner