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Grillen (Heimchen, Zweifleckgrille und Steppengrille)

Informationen zur Biologie, Haltung und schulbiologischen Verwendung

Heimchen (Acheta domesticus), Zweifleck- oder Mittelmeergrille (Gryllus bimaculatus) und Steppengrille (Gryllus assimilis) sind drei Grillenarten, die als Futtertiere für Reptilien und Amphibien in fast jeder Zoohandlung erworben werden können. Sie werden als ganzjährig verfügbare und auch leicht nachzuzüchtende Schultiere hier vorgestellt. Alle drei Arten gehören zur Familie der echten Grillen (Gryllidae). Die genaue systematische Einordnung ist in der folgenden Abbildung dargestellt.

Systematische Kategorie Deutsche Bezeichnung Wissenschaftliche Bezeichnung
Klasse Insekten Insecta
Unterklasse Fluginsekten Pterygota
Ordnung Langfühlerschrecken Ensifera
Überfamilie Grillen Grylloidea
Familie Echte Grillen Gryllidae

Grillen sind zwar dem Namen nach und durch ihre auffälligen Lautäußerungen, das Zirpen, allgemein bekannt, mehr weiß man aber oft nicht von diesen interessanten Insekten. Neben den drei in Mitteleuropa recht häufigen Arten Feldgrille (Gryllus campestris), Waldgrille (Nemobius sylvestris) und Hausgrille (Acheta domesticus) gibt es mit der Sumpfgrille (Pteronemobius heydenii), der Ameisengrille (Myrmecophilus acervorum) und dem Weinhähnchen (Oecanthus pellucens) noch drei seltenere, in ihrem Bestand stark gefährdete Arten.
Die ebenfalls bei uns vorkommenden Maulwurfsgrillen gehören hingegen in eine eigene, schon vor langer Zeit von den echten Grillen abgespaltene Familie, die Gryllotalpidae.
Wie der i der Ordnung (Langfühlerschrecken) schon anzeigt, haben die echten Grillen lange, dünne Fühler (=Antennen). Ebenfalls charakteristisch sind ihre kräftigen, verlängerten Hinterbeine, die sie zu weiten Sprüngen befähigen. Die Deckflügel, die über den häutigen Flügeln liegen, sind anders als z.B. bei den Laubheuschrecken im Ruhezustand flach auf den Rücken gelegt.

Körpermerkmale:

Heimchen (Acheta domesticus) sind hellbraun gefärbt mit dunkleren Flecken und schwarzer Zeichnung auf Kopf und Halsschild. Bei adulten Tieren überragen die Hinterflügelspitzen das Abdomen spießartig. Das Weibchen besitzt eine ca. 15mm lange Legeröhre (=Eilegebohrer oder Ovipositor). Die Körperlänge beträgt 16-25mm. Die Tiere sind gegenüber der Zweifleckgrille oder auch der Feldgrille deutlich schlanker.

Heimchen

Männchen (links) und Weibchen des Heimchens

Zweifleck- oder Mittelmeergrillen (Gryllus bimaculatus) sind dunkelbraun bis schwarz mit etwas heller gefärbten Flügeln. Am vorderen Ansatz der Flügel befinden sich die beiden typischen, namensgebenden hellen Flecken. Hinterflügel und Ovipositor gleichen denen des Heimchens. Adulte Tiere sind aber mit 35-40mm Länge und breiterem Abdomen deutlich größer als die Heimchen.

weibliche Zweifleckgrille

weibliche Zweifleckgrille (Mutante mit hellen Augen)

Steppengrillen (Gryllus assimilis) sind gelblich-braun gefärbt mit dunklerem Abdomen und Frontalbereich des Kopfes. Insgesamt ähneln sie im Erscheinungsbild mehr den Heimchen, sind aber nicht so schlank und mit bis zu 27mm größer als diese.

Steppengrillen

Weibchen (links) und Männchen der Steppengrille

Vorkommen:

Das Heimchen ist als Kulturfolger weltweit verbreitet. Die ursprüngliche Heimat waren wahrscheinlich die Trocken- und Halbtrocken-Gebiete Afrikas. Heute findet man Heimchen auch in Gebieten, in denen sie ohne den Schutz menschlicher Ansiedlungen die kalten Jahreszeiten nicht überstehen würden.
Zweipunkt- oder Mittelmeergrillen kommen vor allem in küstennahen Gebieten entlang des Mittelmeeres von der Iberischen Halbinsel bis nach Griechenland vor.
Die Steppengrillen stammen von den karibischen Inseln und den karibischen Küstenbereichen Süd- und Mittelamerikas.

Nahrung:

Diese drei für die Schultierhaltung geeigneten Grillenarten sind Allesfresser. Sie fressen mit ihren kräftigen beißend-kauenden Mundwerkzeugen sowohl pflanzliches Material wie Blätter und Früchte als auch selbst erbeutete entsprechend kleine Tiere und Tierleichen.

Fortpflanzung und Entwicklung:

Alle Grillen sind hemimetabol, was bedeutet, dass die aus den Eiern schlüpfenden Jungtiere den erwachsenen Tieren schon sehr ähnlich sehen und sie kein zusätzliches Puppenstadium durchlaufen müssen.

Eier und frisch geschlüpfte Grillen

Eier des Heimchens (links) und frisch geschlüpfte Steppengrillen (rechts)

Im Folgenden werden beispielhaft der Fortpflanzungsablauf und die Entwicklung für die Zweifleckgrille beschrieben, die in wesentlichen Punkten mit denen der beiden anderen Arten übereinstimmen:
Ca. 10 Tage nach der Imaginalhäutung kommt es nach längerem Balzverhalten zu den ersten Paarungen, wobei sich das Männchen rückwärts auf das Weibchen zuschiebt. Paarungsbereite Weibchen klettern auf den Rücken des Männchens. In dieser Stellung wird vom Männchen eine Spermatophore an die Geschlechtsöffnung des Weibchens geheftet. Man kann die ca. stecknadelkopfgroße Spermatophore als Zeichen einer gerade erfolgten Paarung gut von außen sehen.

Steppengrillenweibchen mit angehefteter Spermatophore

Weibliche Steppengrille mit an der Geschlechtsöffnung angehefteter Spermatophore. In der weißlichen "Ampulle" der Spermatophore befinden sich die Spermien.

Die Ablage der ca. 3mm langen gelblich-weißen Eier erfolgt mit Hilfe des Ovipositors, der in das Bodensubstrat gebohrt wird. Dabei wird weiches, leicht feuchtes Substrat bevorzugt. Ein Weibchen kann bei einer Lebensdauer von ca. 3 Monaten 200-300 Eier legen. Der Schlupftermin hängt von der Temperatur ab. So dauert es z.B. ca. 21 Tage bei 20°C, bei 30°C. hingegen nur ca. 10 Tage. Die frisch geschlüpften Grillen sind, so wie gerade frisch gehäutete Tiere, weißlich gefärbt. Bei den Zweifleckgrillen zeigen die geschlüpften Larven ein ameisenhaft wirkendes unruhiges Umherlaufen, welches sie möglicherweise vor potentiellen Fressfeinden schützt (= Ameisenmimikry). Auch bei anderen Schreckenarten wie z.B. der Gespenstschrecke Extatosoma tiaratum kann man eine solche Ameisenmimikry beobachten. Nach 10-12 Häutungen sind die Tiere ausgewachsen d.h. sie häuten sich nicht mehr und beginnen mit der Reproduktion. Schon bei den älteren Jungtieren (= Nymphen) kann man die Weibchen leicht an den Legeröhren erkennen, die aber erst mit der letzten Häutung ihre volle Länge erhalten.

Einige interessante Verhaltensweisen:

Für die Beobachtung des "Grillen-Verhaltens" eignet sich die Zweifleck- oder Mittelmeergrille (Gryllus bimaculatus) am besten. Bei dieser Art kann man das Balz-, Revier- und Kampfverhalten auch unter Gefangenschaftsbedingungen in der Regel sehr zuverlässig und gut beobachten.
Gut beobacht- bzw. hörbar und auch sehr detailliert untersucht und dokumentiert ist die akustische Kommunikation der Grillen. Es zirpen nur die Männchen. Die Laute werden durch Aneinanderreiben der Deckflügel erzeugt (= Stridulation).

zirpendes Heimchen-Männchen

Heimchen-Männchen mit zum Zirpen aufgestellten Flügeln

Man unterscheidet die von Art zu Art unterschiedlich lauten Reviergesänge, mit denen die Männchen ihre Territorien markieren, die ebenfalls lauten Lockgesänge, mit denen paarungsbereite Weibchen aus Entfernungen von bis zu 30m angelockt werden und die leiseren Werbegesänge, die während der Balz und nach der Paarung erzeugt werden.

Oszillogramm Grillengesänge

Oszillogramme der drei Gesangstypen der Zweifleckgrille. LG = Lockgesang; RG = Reviergesang; WG = Werbegesang

Begegnen sich zwei Grillen, so betasten sie sich gegenseitig mit ihren langen Antennen. Je nach dem ob der Artgenosse ein (paarungsbereiter) Geschlechtspartner, ein gleichgeschlechtliches Tier oder eine Nymphe ist folgen im Anschluß an diese taktile Kommunikation unterschiedliche Verhaltensmuster. Setzt man z. B. zwei adulte Männchen zusammen und diese begegnen sich, so erfolgt bald Droh-, Kampf- und Fluchtverhalten. Begegnet ein Männchen hingegen einem adulten (paarungsbereiten) Weibchen, so erfolgt in der Regel zuerst das Balz- und dann das Paarungsverhalten.
Während und nach den regelmäßigen Häutungen suchen die Tiere versteckte Plätze auf, da der neue Chitin-"Panzer" ca. 3 Stunden zum Aushärten braucht. In dieser Zeit sind die Grillen auch durch Artgenossen sehr stark gefährdet. Sind die Tiere ungestört, wird die alte Haut meistens aufgefressen.

Diese und weitere Verhaltensweisen kann man in einem artgerecht eingerichteten Terrarium gut beobachten und bei Bedarf auch filmen oder fotografieren.

Zwei artgerechte Terrarien

Zwei artgerecht und beobachtungsfreundlich eingerichtete Terrarien

Haltungs- und Pflegehinweise:

Zur dauerhaften Haltung eignen sich am besten Kunststoff oder Glasterrarien. Sollen die Behälter nicht nur zur Zucht, sondern auch zur Beobachtung dienen, sollten sie zumindest an einer Seite durchsichtig sein. Holzbehälter eignen sich nur dann, wenn man sie aus glatt beschichteten und möglichst wasserfesten Spanplatten herstellt. Glatte Wände erschweren das Entkommen der Tiere. Die Behälter sollten auf jeden Fall dicht schließend sein, um ein Entkommen vor allem der kleinen Junggrillen zu verhindern. Man kann solche Behälter in Zoogeschäften oder Baumärkten erwerben oder einfach auch selbst herstellen (siehe Bauanleitung für ein Insektarium). Die Mindestgröße beträgt ca. 30 x 20 x 20cm bzw. je nach der Anzahl der Tiere und dem Haltungszweck (Zucht oder Beobachtung) entsprechend mehr.

Die Behältereinrichtung erfolgt auch entsprechend dem Haltungszweck. Reine Zuchtbehälter werden auf eine Optimierung der Zuchtbedingungen hin eingerichtet, Beobachtungsbehälter so, dass das natürliche Verhalten der Art am besten beobachtet werden kann.

Die optimale Haltungs- und Zuchttemperatur liegt bei 25-32°C. wobei Heimchen und Zweifleckgrillen kältere Temperaturen eher vertragen als die aus den Tropen stammenden Steppengrillen. Als Wärmequellen kommen z. B. Glühbirnen, Heizmatten oder Heizkabel in Frage. Bei solchen elektrischen Heizquellen sollte man immer darauf achten, dass brennbare Materialien sich nicht durch Überhitzung entzünden können!! Hat man unterschiedlich warme Bereiche im Behälter, so können sich die Tiere selbst immer den optimalen Wärmebereich aussuchen. Zur regelmäßigen Temperaturkontrolle wird am besten ein im Handel erhältliches Terrarienthermometer verwendet.

Eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 65% - 75% sollte möglichst nicht unterschritten werden. Man erreicht das durch regelmäßiges Besprühen oder entsprechend feuchtes (nicht nasses!!!) Bodensubstrat. Bewährt haben sich auch in die Behälter eingegossene Gipsböden, da der Gips Wasser aufnimmt und es dann langsam wieder an das Substrat bzw. die Luft abgibt, so dass zu große Nässe vermieden werden kann.

Als Bodensubstrat verwenden wir eine Mischung aus einem Torfersatzsubstrat (z.B. Kokosfasersubstrat oder ungedüngte und torffreie Blumenerde) und feinem Quarzsand. In den Zuchtbehältern füllt man das Bodensubstrat nur in indie kleineren Kunststoffgefäße (mit Gipsboden), die als Eiablagebehälter dienen. Sie werden mind. 5cm hoch befüllt und immer wieder ausgewechselt. Zum Ausbrüten und für die Aufzucht der Junggrillen stellt man sie in extra Aufzucht-Behälter. In Beobachtungsbehältern wird das Substrat ca. 3-5cm hoch auf der ganzen Bodenfläche verteilt. Das Bodensubstrat sollte immer leicht feucht (nicht nass!!!) sein. Ideal ist es, wenn ein gewisser Feuchtigkeitsunterschied an verschiedenen Stellen des Bodens herrscht, so dass sich die Weibchen die passenden Bereiche für die Eiablage selbst aussuchen können.

Als Einrichtungsmaterial für Zuchtbehälter kann man z. B. Stücke von Eierkartons oder Papprollen von Toilettenpapier o.ä. verwenden. Auf diese Weise schafft man viele Unterschlupfe und Versteckplätze für die Grillen. In einem auf diese Weise optimal eingerichteten Zuchtbehälter von ca.40x30x30cm lassen sich bis zu 200 Grillen aller Größen halten. Es ist aber besser die Tiere nach Größenklassen getrennt und nicht so dicht zu halten, da es sonst leicht zu gegenseitigen Beschädigungen kommen kann.
Beobachtungsterrarien wird man am besten mit Naturmaterialien wie Ast- und Rindenstücken oder flachen Steinen u. ä. einrichten, dabei aber auch darauf achten, dass dadurch die Beobachtungsmöglichkeiten nicht zu sehr eingeschränkt werden (siehe Abb.6). In solche Behälter gibt man weniger Tiere, um das natürliche Verhalten besser beobachten zu können.
Für gezielte Beobachtungen und Experimente z. B. zum Begegnungsverhalten von Männchen und Weibchen oder Männchen und Männchen etc. sollte man eigene Behälter zur Verfügung haben, die nur für diesen Zweck verwendet werden und keine bzw. nur eine spärliche Einrichtung haben, so dass auch quantitative Untersuchungen möglich sind.

Zur Fütterung der Grillen eignen sich z.B. Haferflocken, Hundetrockenfutter, Futterpellets für Labor- oder Heimtiere, Fischfutter u. ä.. Zusätzlich sollten als Feuchtfutter immer auch Apfelstücke, geraspelte Karotte bzw. Salat, Löwenzahn u. ä. gereicht werden. Vor allem das Feuchtfutter bietet man am besten in einem Futternapf an, um das alte Futter leicht durch frisches ersetzen zu können. Ist immer ausreichend frisches Feuchtfutter vorhanden, braucht man die Tiere nicht zusätzlich mit Trinkwasser zu versorgen. Verwendet man dennoch Tränken, muss man z.B. durch eingelegte Schaumstoffstücke oder Watte verhindern dass Grillen darin ertrinken.

Verschiedene Insektentränken

Verschiedene Insektentränken. Der Schaumstoff bzw. die Watte im Wasser verhindern das Ertrinken der Grillen

Die Behälterreinigung erfolgt je nach Besatzdichte alle 1-4 Monate. Starke Verunreinigungen mit Kot und Futterresten führen vor allem in Verbindung mit hoher Bodenfeuchtigkeit zu Schimmel und Fäulnisbildung und in der Folge oft auch zu verstärktem Milbenbefall, was auf jeden Fall vermieden werden sollte. Das für die Reinigung notwendige Einfangen und Umsetzen der sehr bewegungsfreudigen und schnellen Grillen fällt leichter, wenn man die Tiere durch Kühlstellen z.B. in einem Kühlschrank zuvor träger gemacht hat. Man kann es auch mit einer aus einer Plastikgetränkeflasche hergestellten Falle probieren, die man mit einem attraktiven Futter beködert.

Fang-Reuse aus Plastikflasche

Falle (Fang-Reuse) aus einer kleinen PET-Flasche

Vorschläge für den Einsatz im Unterricht:

Die angeführten Grillenarten lassen sich leicht in ausreichenden Mengen halten und nachzüchten und sie sind auch einfach im Zoohandel zu besorgen. Bei geringem Platzbedarf und pflegerischem Aufwand bieten sie eine Fülle von Beobachtungs- und Experimentiermöglichkeiten. Es gibt auch viele Literatur- und Internetquellen sowohl aus der Wissenschaft als auch aus dem Liebhaberbereich, so dass man sich ausführlich über die allgemeine und die spezielle Biologie wie z. B. die Anatomie, Physiologie und vor allem auch die Verhaltensbiologie informieren kann.

Hier folgen nun einige thematische und praktische Hinweise und Anregungen für den Unterrichtseinsatz von lebenden Grillen:

(1) Beobachtungen zur Entwicklung eines hemimetabolen Insekts / Wie wachsen Insekten? Beobachtungen zu Ablauf und Funktion der Häutung

Diese Beobachtungen zu Entwicklung und Wachstum der Grillen führt man am besten mit Hilfe von Eiablagebehältern (s.o.) durch, die man in einen Aufzuchtbehälter stellt. Bei vorsichtigem Graben im Eiablagesubstrat kann man die länglichen Eier entdecken. Nach einiger Zeit sind im Aufzuchtbehälter dann sämtliche Stadien der Entwicklung vom frisch geschlüpften Jungtier bis zum "fertigen" Geschlechtstier nach der letzten Häutung vertreten und man kann die unterschiedlichen Stadien miteinander vergleichen. Bei einer größeren Anzahl von Tieren wird man hin und wieder auch Häutungen direkt beobachten können bzw. Exuvien oder Teile davon finden.

Verschiedene Entwicklungsstadien bei Grillen

3 verschiedene Entwicklungsstadien. Schlüpflinge (links), 2 verschieden alte Nymphen (Mitte), adultes, geschlechtsreifes Weibchen (rechts)

frisch gehäutete Grillen-Nymphe

Grillen-Nymphe kurz nach der Häutung. Die alte Haut (Exuvie) wird anschließend vollständig aufgefressen. Die neue Haut ist noch weich un bleich. Sie härtet in den nächsten Stunden aus und färbt sich artgemäß dunkel.

(2) Wie ist der Insektenkörper gebaut? Beobachtungen zu den anatomischen und morphologischen Besonderheiten der Insekten

Die Besonderheiten der Insektenanatomie mit dem harten Exoskelett und der typischen Körpergliederung lassen sich gut an den Grillen beobachten, wenn man eine erhöhte Stelle im Terrarium (z.B. einen Ast oder Stein) mit einer Lampe so bestrahlt, daß die Tiere sich dort unter der Wärmequelle "sonnen". An solchen Stellen kann man dann neben den typischen Insektenmerkmalen auch die Geschlechtsunterschiede sowie Unterschiede der verschiedenen Entwicklungsstadien schön beobachten.

Körperbau der Grille

Der Körper eines Insekts ist in drei Abschnitte gegliedert, den Kopf (Caput), die Brust (Thorax) und den Hinterleib (Abdomen). Diese Abschnitte sind wiederum aus mehreren beweglichen oder zusammengewachsenen Segmenten zusammengesetzt. Der Kopf setzt sich aus der Kopfkapsel mit den Mundwerkzeugen und den Fühlern (Antennen) zusammen. Die Brust (Thorax) besteht aus den drei Segmenten Vorderbrust (Prothorax), Mittelbrust (Mesothorax) und Hinterbrust (Metathorax). Jedes Brustsegment trägt auf der Bauchseite je eines der 3 Beinpaare.Die beiden hinteren Brustsegmente tragen bei geflügelten Insekten auf der Rückenseite je eines der 2 Flügelpaare. Der Hinterleib (Abdomen) besteht meistens aus 11 Segmenten. Am Hinterleibsende befinden sich die Hinterleibsanhänge (Cerci) sowie äußere Geschlechtsorgane die z.B. der Kopulation und Eiablage (Legerohr) dienen. Das Insektenbein ist in Hüfte (Coxa), Schenkelring (Trochanter), Schenkel (Femur), Schiene (Tibia) und Fuß (Tarsus) gegliedert.

(3) Wie und was fressen die Grillen? Beobachtungen zur Nahrungswahl und -aufnahme / die Mundwerkzeuge der Insekten

Läßt man die Grillen kurzzeitig hungern und gibt ihnen dann vor der Beo-bachtung unterschiedliches Futter (feucht / trocken, tierisch / pflanzlich) in beobachtungsfreundlich aufgestellte Futtergefäße, kann man sie bei der Nahrungswahl und -aufnahme beobachten. Die beißend-kauenden Mundwerkzeuge dienen der Zerteilung und mundgerechten Bearbeitung der Nahrung, was mit der Lupe gut zu erkennen ist. Bei einer größeren Anzahl von Grillen tritt auch immer wieder das typische Futterneidverhalten auf. Die Tiere versuchen Nahrungspartikel wegzuschleppen oder sich gegenseitig wegzunehmen, um sie dann an einem ruhigen Ort ohne Futterkonkurrenten zu fressen.

Insektenkopf mit Mundwerkzeugen

Kopf eines Insekts mit beißend-kauenden Mundwerkzeugen: 1= Kopfkapsel (aus mehreren starr verbundenen Skleriten zusammengesetzt); 2=Facettenaugen; 3= Ocellen (Punktaugen); 4=Labrum (Oberlippe); 5=Mandibeln (paarige Oberkiefer); 6=Maxillen (paarige Unterkiefer) ; 7=Maxillarpalpen (paarige Kiefertaster); 8=Labium (Unterlippe); 9=Labialpalpen (paarige Lippentaster); 10=Antennen; 11= ein herauspräparierter Oberkiefer bei dem die zahnige "Schneide" gut zu erkennen ist.

(4) Beobachtungen und Versuche zum Territorial- und Kampfverhalten der Grillenmännchen / Reviergesang und Revierkampf und
(5) Beobachtungen zum Balz- und Paarungsverhalten / Lock- und Werbegesang des Männchens / taktile Kommunikation

Diese Beobachtungen zum agonstischen Verhalten (=Kampf und Flucht) und zum Balz- und Paarungsverhalten kann man natürlich fast immer im Haltungsterrarium machen. Besser geht es aber, wenn man einzelne Tiere herausfängt, in kleinere Beobachtungsbehälter setzt und sie dort gezielt beobachtet. Man kann so z.B. mehrere adulte Männchen zusammensetzen, um das agonistische Verhalten zu beobachten oder adulte Männchen und Weibchen, um das Balz- und Paarungsverhalten genauer zu verfolgen. An Hand solcher gezielten Beobachtungen kann man z.B. die Beschreibung von Verhaltensweisen und die Quantifizierung des Verhaltens demonstrieren und üben lassen.

Idealisierter Ablauf einer aggressiven Begegnung zweier Männchen
nach Alexander, 1961: Antennenspiel bei Begegnung → heftiges Antennenpeitschen → Aufrichten oder Wackeln → Mandibelspreizen → Flügeldecken steil stellen → Vorwärtsbewegung (Sprung) → offener Kampf mit Beißen nach dem Kopf und den Extremitäten, starker Gesang → Flucht eines Kontrahenten und Verfolgung bzw. Kampfende.

Schematischer Ablauf Aggressionsverhalten

Idealisierter Ablauf des Paarungsverhaltens nach Alexander, 1961:
Antennenspiel bei Begegnung → das ♂ dreht sich um, mit dem Hinterteil zum ♀ → rückwärts wackelnde Annäherung des ♂ an das ♀ → das ♀ betastet die Cerci (=Hinterleibsanhänge) des ♂ → das ♂ streckt das Abdomen (=Hinterleib) und schiebt sich rückwärts gehend unter das ♀ → das ♂ hebt das Abdomen an und das ♀ senkt sein Abdomen so daß sich die Geschlechtsöffnungen nähern. In dieser Stellung setzt das Männchen eine Spermatophore an der Geschlechtsöffnung des ♀ ab → anschließend trennen sich die Geschlechtspartner.

Schematischer Ablauf Paarung

(6) Wie erzeugen die Grillen ihre "Gesänge"? / Untersuchungen der lauterzeugenden Strukturen

Aggressiv zirpende Grillenmännchen

Zwei männliche Heimchen, die sich aggressiv anzirpen. Dazwischen eine weibliche Nymphe.

In einem Terrarium mit mehreren adulten Männchen und Weibchen wird man regelmäßig und häufig die unterschiedlichen Lautäußerungen der Grillen hören und die damit verbundenen Verhaltensweisen beobachten können. Es "zirpen" nur die Männchen und schon eine oberflächliche Betrachtung der Deckflügel von lebenden Männchen und Weibchen im Terrarium zeigt auffällige Unterschiede. Will man die lauterzeugenden Flügelstrukturen genauer betrachten, um ihre Form und damit verbunden ihre Funktion aufzuklären, muß man die Flügel von gestorbenen Tieren unter der Lupe betrachten und evtl. Video- oder Fotoaufnahmen zirpender Männchen zu Hilfe nehmen.

(7) Welche Temperaturbereiche bevorzugen die drei Arten? Gibt es eine Anpassung an unterschiedliche Lebensraumbedingungen?

Mit Hilfe einer sog. Temperaturorgel, die auf kleinem Raum unterschiedliche Temperaturbedingungen erzeugt, kann man feststellen, ob die Grillen bestimmte Temperaturbereiche bevorzugen und ob diese Temperaturoptima für die drei Arten unterschiedlich sind.

Temperaturorgel

Temperaturorgel der Fa. Phywe

Literatur: