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Der Purpurprachtbarsch

(Pelvicachromis pulcher)

Purpurprachtbarsch

Einige biologische Daten

Verwandschaft und systematische Stellung:

Die Gattung Pelvicachromis (früher Pelmatochromis ) gehört innerhalb der Klasse der Knochenfische (Osteichthyes) zur Ordnung der Barschartigen (Perciformes) und zur Unterordnung der Barschverwandten (Percoidea). Innerhalb dieser Unterordnung bilden die Buntbarsche, zu denen die Gattung Pelvicachromis gezählt wird eine sehr artenreiche und vielgestaltige Familie. Die Buntbarsche sind kleine bis mittelgroße Fische, die ihren Namen durch die z.T. sehr bunte Färbung erhalten haben. Neben Pelvicachromis gibt es noch ca.160 weitere Gattungen mit über 900 Arten. Es werden jedes Jahr noch viele neue Arten entdeckt. Pelvicachromis pulcher ist wie die anderen ca.7 Arten der Gattung in Westafrika beheimatet und zeigt wie diese einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus.

Vorkommen:

Der Purpurprachtbarsch kommt in den Mündungsgebieten des Niger- und Ethiop- Flusses in Nigeria vor. Er geht dort z.T. auch ins Brackwasser. Es wurden eine Reihe von verschiedenen Farbvarianten (Lokalrassen) gefangen, die früher als eigene Arten beschrieben wurden. In den Aquarien werden fast ausschließlich Nachzuchttiere gehalten.

Beschreibung der Geschlechtsunterschiede:

Die Männchen sind langgestreckt und werden bis zu 12 cm lang. Die bis zu 7,5 cm langen Weibchen wirken gedrungener und zeigen vor allem vor dem Ablaichen einen stark gewölbten Bauch, der durch die leuchtend rote Färbung besonders hervorgehoben wird. Bei Männchen sind die Rücken- und Afterflossen spitz ausgezogen und die mittleren Strahlen der Schwanzflosse verlängert. Bei artgerechter Haltung werden die Tiere ihrem deutschen Namen gerecht und zeigen eine bunte und auffällige Färbung, wobei besonders die Rotfärbung des Bauches und die farbig leuchtenden Flossensäume sowie schwarze Punkte in der Rücken- und Schwanzflosse ins Auge fallen.

Lebensweise und Verhalten:

Da die Tiere im Unterlauf der Flüsse auch in Brackwasserzonen vordringen, stellen sie keine besonderen Ansprüche an die Wasserhärte. In ihren Heimatgewässern bevorzugen sie die Nähe von Wasserpflanzenbeständen und Stellen mit geringer Wasserströmung. Hier leben sie in Tiefen bis zu ca. 60 cm über dunklem Bodengrund mit Versteckmöglichkeiten aus Wurzeln, Blättern u.ä.
Die Wassertemperaturen liegen bei 25°C und mehr. Die Tiere sind Höhlenlaicher; Die Eier werden in höhlenartigen Verstecken meist an der Decke abgelegt. Vor dem Ablaichen wird in der Bruthöhle gegraben. Diese Verhaltensweise ist ein fester Bestandteil des Balzverhaltens, was man bei der Aquarieneinrichtung berücksichtigen muss (s.u.). Die Männchen gründen Reviere in deren Zentrum eine Höhle liegt. Nur laichbereite Weibchen werden auf Dauer geduldet. Sie haben typische Verhaltensweisen, um die Angriffe territorialer Männchen abzuwenden und sie zu beschwichtigen. Das Männchen bremst seinen Angriff ab, wenn das Weibchen ihm den rotgefärbten Bauch entgegenkrümmt. Auf diese Weise beginnt die Paarbildung zwischen einem territorialen Männchen und einem laichbereiten Weibchen. Während der Balz ist das Weibchen der aktivere Partner. Typische Balzverhaltensweisen sind das schon erwähnte "Bauchpräsentieren", das "Körperzittern" und das "vor das Männchen schwimmen" beim Weibchen und "Kopfzittern", "Graben" und "Schrägstellen mit abgespreizten Flossen und Kiemendeckeln" beim Männchen. Die Balzverhaltensweisen dienen der Synchronisation der Ablaichbereitschaft und der Paarbindung. In der letzten Phase de Balz zeigen beide Partner häufiges "Führungsschwimmen zur Bruthöhle" sowie "Graben" und "Putzen der Höhlendecke". Nach dem Ablaichen (an der Höhlendecke) übernimmt das Weibchen die Eier- und später auch die Larvenpflege. Es befächelt die Eier und lutscht sie immer wieder ab und transportiert nach dem Schlüpfen die Larven mit dem Maul. Es ist die meiste Zeit in der Höhle und vertreibt dort auch das Männchen; welches für die Verteidigung der Reviergrenzen zuständig ist. Die Jungen schlüpfen nach 2 Tagen und bleiben bis ca. zum 9. Tag in der Höhle, dann beginnen sie frei zu schwimmen und werden nun sowohl vom Weibchen als auch vom Männchen intensiv bewacht. Einer der Paarpartner ist immer unmittelbar bei den Jungen, der andere vertreibt potentielle Fressfeinde. Anfangs werden die Jungfische abends zur Bruthöhle zurückgeführt. Jungfische, die sich zu weit entfernen, werden mit dem Maul eingefangen und in den Schwarm zurückgespuckt. Droht eine Gefahr, so fordern die Eltern die Jungfische durch "Kopfrucken" und "ruckhaftes Abspreizen und Anlegen der Bauchflossen" zum ruhigen Verharren am Boden auf. Diese intensive Brutpflege kann sich über mehrere Wochen erstrecken, bis die Eltern mit erneuten Ablaichvorbereitungen beginnen.

Haltungs- und Pflegehinweise

Aquarieneinrichtung:

Aquarieneinrichtung Grundriss

Grundriss Aquarieneinrichtung
F = Filter
H = Heizer
+ = Indischer Wasserfreund (Hygrophila polysperma)
* = Riesenwasserfreund (Nomaphila stricta)
o = Sumpfschraube (Valisneria spiralis)
O = Mexikanisches Eichenblatt (Shinnersia rivularis)
Seitenansicht Aquarium

Seitenansicht Aquarium

Für ein Paar P. pulcher sollte das Aquarium mindestens 60x30x30cm3 groß sein. Wie bei allen bodenorientierten Fischen ist die Größe der Grundfläche wichtiger als die Höhe des Aquariums. Die Tiere lieben z.T. dichte Pflanzen-bestände sowie Höhlen und Unterstände auf einem dunklen Bodengrund. Höhlen kann man aus Wurzeln, Steinen oder halbierten Kokosnüssen und kleinen Tonblumentöpfen herstellen. Der Bodengrund sollte in den vorgesehenen Bruthöhlen und um sie herum aus feinerem Kies oder Sand bestehen, damit die Tiere graben können. Wir verwenden zum Abdunkeln des i.d.R. hellen Aquarienkieses Laub aus fischfreien Wassergräben oder Tümpeln (vor Verwendung gut durchspülen, eventl. abkochen). Untergetauchte (!) Holzwurzeln sollten nur aus sauberen, fließenden Gewässern entnommen werden. Man kann auch Moorholz (Moorkienholz) verwenden. Das hat aber einen sehr starken Auftrieb und säuert das Wasser stark an. Mit großen Flusskieseln kann man den Bodengrund leicht terrassenförmig aufbauen (siehe Abb.) bzw. auch Höhlen bauen, die aber standfest sein müssen, damit sie beim Graben der Tiere nicht einstürzen. Die Rückwand des Aquariums sollte mit einem Stück Korktapete oder Schilfmatte verkleidet bzw. dunkel angestrichen werden. Das gibt den Fischen mehr Sicherheit, was sie mit intensiverer Färbung und natürlicherem Verhalten belohnen.

Aquarientechnik:

Um die Vorzugstemperatur von 25-27°C zu erreichen, benötigt man einen Regelheizer (von 75 Watt bei einem Aquarium der oben beschriebenen Mindestgröße). Eine Leuchte mit Leuchtstoffröhren sorgt am besten in Verbindung mit einer Zeitschaltuhr für die Ausleuchtung des Aquariums. Zur Filterung und Wasserumwälzung werden im Handel Kreisel- oder Luftpumpenfilter in verschiedenen Größen angeboten. In der Fachliteratur sollte man sich über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Filtersysteme informieren. Auch beim Einsatz leistungsfähiger Filter muss man regelmäßig einen Teilwasserwechsel durchführen (je nach Besatz ca. 1/3 des Aquarienwassers alle 1-2 Wochen absaugen und durch frisches Wasser ersetzen). Es ist empfehlenswert sich, ebenfalls über die reichhaltige Fachliteratur, ein wenig mit den die Wasserqualität im Aquarium beeinflussenden Vorgängen zu beschäftigen, um evtl. Reaktionen der Fische zu verstehen und Abhilfe schaffen zu können. Für die Bestimmung von Wasserhärte, pH-Wert und anderen wichtigen Wasserwerten gibt es im Handel leicht zu handhabende Reagentien. Pelvicachromis pulcher ist, was die Wasserwerte betrifft kein allzu anspruchsvoller Pflegling; er lässt sich bei pH-Werten von 5-7,5 sowohl in weichem als auch in hartem Wasser (5-15°dH) halten und züchten.

Fütterung:

Die Tiere fressen ohne Probleme Trockenfutter (Flocken, gefriergetrocknete Mückenlarven, Daphnien usw.), Frostfutter und jede Art von entsprechend großem Lebendfutter wie Tubifex-Würmer, Mückenlarven, Wasserflöhe u.ä. (Lebendfutter nur in fischfreien, sauberen Gewässern fangen). Die Jungfische fressen von Beginn an Salinenkrebs-(Artemia) Nauplien bzw. fein gesiebtes Tümpelplankton aber auch feinzerriebenes Trockenfutter oder feingehackte Tubifex.

Pflegearbeiten:

Tägliche Beobachtung der Fische ist eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche und artgerechte Pflege. Wenn möglich sollte die tägliche Fütterung aus mehrmaligen kleineren Futtergaben bestehen. Das Reinigen der Deck- und Frontscheiben erfolgt nach Bedarf mit Hilfe eines Aquarienscheiben-Reinigers. Weitere Pflegearbeiten sind das Reinigen des Filters (nach Bedarf und Verschmutzungsgrad), das Auslichten bzw. Neupflanzen von Wasserpflanzen, die regelmäßige Kontrolle der Technik (Licht, Wassertemperatur, Filterfunktion) und der oben erwähnte Teilwasserwechsel: Will man die Wasserqualität immer sicher unter Kontrolle haben , so muss man zusätzlich die wichtigsten Wasserwerte messen (s.o.).

Besatz und Vergesellschaftung:

Da die Tiere territorial sind, sollte in einem Aquarium mit einer Grundfläche von 60cm x 30 cm nicht mehr als ein Paar untergebracht werden. Die Vergesellschaftung mit Fischen der mittleren und oberen Wasserschichten z.B. Salmler und lebendgebärende Zahnkarpfen (Schlußlichtsalmler, Kupfersalmler, Trauermantelsalmler, Guppies, Schwertträger o.ä.) ist möglich, wobei aber ebenfalls die Größe des Aquariums zu beachten ist und man bedenken sollte, dass diese Arten potentielle Fressfeinde für die Jungfische sind. Bodenfische sind als "Wohnraumkonkurrenten" keine geeigneten Mitbewohner, es sei denn das Aquarium bietet ausreichend Bodenfläche. Als "Scheiben- und Pflanzenputzer" kann man Antennenwelse (Ancistrus dolichopterus) einsetzen. Die oft für diese Funktion angebotenen Saugschmerlen sind nicht so gut geeignet, da sie oft sehr aggressiv werden und so die Prachtbuntbarsche beim Laichgeschäft stören. Bietet man den Antennenwelsen enge Steinspalten oder Stücke von Bambusstängeln als Verstecke an, so kommt es i.d.R. zu keiner Konkurrenz mit den P.pulcher.

Zuchthinweise:

Am besten ist mittelhartes, leicht saures Wasser (pH 6,5 / dH 8-12°) zur Zucht geeignet. Wie oben schon erwähnt sind Höhlen auf feinem Bodengrund Voraussetzung für ein erfolgreiches Ablaichverhalten; auch dunkler Bodengrund und z.T. dichte Bepflanzung wirken sich positiv auf die Ablaichbereitschaft und das Brutpflegeverhalten aus. Das Paar sollte die Jungfische solange pflegen, bis es erneut mit Ablaichvorbereitungen beginnt. Entfernt man die Jungfische vorher, so kann es zu Aggressionen vor allem des Männchens gegen das Weibchen kommen (wenn das Weibchen noch nicht wieder laichbereit ist). Da bei erfolgreicher Brutpflege viele "überzählige" Jungfische zu erwarten sind, sollte man sich rechtzeitig nach Abnehmern umschauen!

Einsatz im Unterricht:

Einrichtung und Pflege von Aquarien sowie die Beobachtung von Fischen und anderen Aquarienbewohnern bieten bei relativ geringem Aufwand viele Möglichkeiten für einen lebendigen Biologieunterricht. Die leidige Ferienbetreuung von Schulaquarien lässt sich z.B. mit Hilfe von Zeitschaltuhren und Futterautomaten sowie gelegentlichen Kontrollen einfacher in den Griff bekommen als allgemein angenommen wird (besser ist natürlich die regelmäßige persönliche Betreuung). Mit der Beobachtung der beschriebenen Prachtbuntbarsche lassen sich im Schulaquarium eine Reihe von Phänomenen vor allem aus dem Bereich der Verhaltensbiologie anschaulich (lebendig) darstellen und erarbeiten. Hier einige Beispiele dafür:

Weitere Unterlagen zum Thema Schulaquarium sind im Schulbiologiezentrum (SBZ) erhältlich.

Einige dieser Verhaltensweisen sind in folgenden Kurzfilmen zu sehen:

Um die Filme sehen zu können, benötigen Sie einen DivX-Decoder für den Windows Media Player, den Sie bei Bedarf unter nachfolgender Adresse als Freeware downloaden können: http://www.divxmovies.com/software/

Literatur: