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Der Kongo-Rosenkäfer

(Pachodna marginata)

Kongo-Rosenkäfer

Einige biologische Daten

Verwandschaft und systematische Stellung:

Etwa 3/4 der über 1 Million auf der Erde lebenden Tierarten sind Insekten. Die Käfer (Coleoptera) stellen mit ca. 350.000 Arten die größte Gruppe (Ordnung) der Insekten. Kongo-Rosenkäfer gehören zur ca. 21.500 Arten umfassenden Familiengruppe der Blatthornkäfer (Lamellicornia), innerhalb dieser Gruppe zur Famiile der Mist- und Laubkäfer (Scarabaeidae) und hier wiederum zur ca. 2.600 Arten zählenden Unterfamile der Rosenkäfer (Cetoninae).

Beschreibung der Körpermerkmale:

Rosenkäferfühler

1a) Fühlerenden von Blatthornkäfern (Blätterfächer)

Rosenkäferengerling

1b) Rosenkäfer-"Engerling"

Körperunterseite Rosenkäfer

1c) Körperunterseite eines männlichen Rosenkäfers

fliegender Rosenkäfer

1d) fliegender Rosenkäfer

Als typisches Familienmerkmal tragen die Blatthornkäfer an den Enden der Fühler einen mehr oder weniger deutlich ausgebildeten "Blätterfächer", der im Ruhezustand zu einer "Blätterkeule" zusammengefaltet wird (Abb 1a). Sehr schön sind diese Fächer an den Fühlern des Maikäfers zu sehen. Typisch für die Blatthornkäfer sind auch die weißlichfleischigen und oft im Vergleich zu den Käfern erstaunlich großen Larven (Engerlinge). (Abb. 1b)
Bei allen Rosenkäfern sind die harten Deckflügel (Elytren) an den Vorderrändern eingebuchtet, so dass sie im Gegensatz zu anderen Käferarten mit angelegten Elytren fliegen können (Abb. l d). Diese Besonderheit kann man auch bei dem auffällig grün schillernden einheimischen Rosenkäfer Cetonia aurata beobachten.
Der Kongo-Rosenkäfer wird mit 20 - 25mm Körperlänge nur geringfügig größer als Cetonia aurata. Die Käfer sind am Rücken leuchtend gelb mit großen dunkelrotbraunen Flecken und am Bauch einheitlich schwarz gefärbt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich durch eine nur beim Männchen vorhandene Längsfurche auf der Unterseite des Hinterleibs (Abb. 1c).

Vorkommen:

Pachnoda marginata kommt nicht nur im Kongogebiet sondern auch in anderen Teilen des westlichen und zentralen Afrika wie dem Senegal, Guinea, Kamerun und Angola vor.

Nahrung:

Die Käfer ernähren sich hier von Blüten und saftigen Früchten an Bäumen und Sträuchern. Die im Boden lebenden Larven fressen heruntergefallene saftig-reife Früchte und andere Pflanzenteile.

Biologie und Lebensweise:

So, wie Cetonia aurata und viele andere Rosenkäfer ist auch der Kongo-Rosenkäfer ein "Sonnenanbeter". Die Käfer fliegen bei Sonnenschein ihre Nahrungspflanzen, blühende und fruchtende Bäume, Sträucher und Stauden an und umschwärmen diese oft in großer Zahl. Sie sind also ausgesprochen tagaktiv und in ihrer größten Aktivität an die Strahlungswärme der Sonne gebunden. Während dieser Aktivitätsphasen, in denen die Tiere auf den Nahrungspflanzen herumklettern, finden auch die Kopulationen statt.
Zur Eiablage begeben sich die Weibchen auf den Boden und graben sich ein. In lockerem Boden werden dann die Eier einzeln abgelegt. Nach einer Entwicklungszeit von ca. 4 Wochen schlüpfen die Larven. Sie verbringen ihre ganze ca.3 Monate dauernde Entwicklung bis zum Puppenstadium im Boden verborgen. Hier ernähren sie sich von Früchten und anderen am Boden liegenden Pflanzenteilen, die sie in Rückenlage von unten her anfressen. Die Verpuppung findet in der Regel in tieferen Bodenschichten statt. Hier baut die Larve einen eiförmigen Kokon der aus Erdkrümeln und einem erhärtenden Sekret der Larve besteht. In dieser schützenden Hülle findet in einem Zeitraum von ca. 4 Wochen die Umwandlung von der Larve zur Puppe und von der Puppe zum Käfer statt. Der im Kokon schlüpfende Käfer verlässt diesen erst nach einigen Tagen, wenn der Chitinpanzer ausgehärtet ist und gräbt sich dann an die Erdoberfläche. Die Lebensdauer nach dem Schlüpfen beträgt für Weibchen ca. 7 Monate, für Männchen ca. 5 Monate.

Haltung, Zucht und Pflege

Behälterart, -größe und -einrichtung:

Terrarium mit Heizplatte

Terrarium mit Glühbirne

Abb. 2: Zwei Beispiele für brauchbare Terrarien. Ein hoher von unten über Heizplatte beheizter Behälter (Abbildung oben) oder ein flacheres (Mindesthöhe 35 cm) mit einer Glühbirne bestrahltes Terrarium.

Geeignete Glas- oder Kunststoffterrarien ab einer Mindestgröße von etwa 40x30x35cm (LxBxIT) mit integrierter Lüftung (Abb.2) kann man in Zoohandlungen erwerben. Je höher die Behälter sind desto geeigneter sind sie für die sehr kletterfreudigen und z.T. flugaktiven Tiere. Bei etwas handwerklichem Geschick lassen sich brauchbare Terrarien auch aus großen Plastikwannen oder zugeschnittenen Glasscheiben selbst herstellen (Bauanleitungen sind im SBZ erhältlich). Für den Unterrichtseinsatz sollten die Behälter zumindest von einer Seite durchsichtig sein und so die Beobachtung der Käfer zulassen. Die Installation einer Wärmequelle (z.B. Heizplatte, Heizkabel, Glühbirne) im oder unter dem Behälter muss eingeplant werden. Da die Käfer in ihrem natürlichen Lebensraum auf ihren Nahrungspflanzen herumklettern, sollten im Terrarium Kletterzweige nicht fehlen. Als Bodengrund eignet sich eine 10-20 cm hohe Schicht aus Torf (kein Düngetorf!), feinem Rindenmulch oder lockerer Wald- bzw. Komposterde (bei letzteren ist eine Sterilisation z.B. im Backofen zu empfehlen, um möglichem Parasitenbefall oder Krankheiten vorzubeugen). Man kann diese verschiedenen Materialien auch mischen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass der Bodengrund locker und leicht feucht (nicht nass!) ist. Man kann das durch regelmäßiges Besprühen mit einer Blumenspritze (Zerstäuber) erreichen, wodurch gleichzeitig auch die relative Luftfeuchtigkeit bei den notwendigen 60-70 % gehalten werden kann. Die optimale Bodentemperatur für Ei- und Larvenentwicklung liegt bei 25° C. Um das artgerechte Verhalten der Tiere beobachten zu können ist ein deutlicher Licht-Dunkel-Rhythmus wichtig. Man kann diesen mit einer im 12:12 Std. Takt ein- und ausgeschalteten Glühbirne erreichen, die gleichzeitig als "künstliche Sonne" die von den Tieren bevorzugte Strahlungswärme bietet.

Fütterung:

Zur Fütterung sowohl der Käfer als auch der Larven werden Scheiben von reifen, süßen Früchten (z.B. Bananen oder Orangen), geraspelte Karotten und ungespritzte Salatblätter auf den Bodengrund gelegt. Frische (möglichst blühende) Zweige von Bäumen und Sträuchern (z.B. Rosengewächse, Schneeball etc.) werden von den Imagines als zusätzliche Nahrungsquelle und zum Klettern gern angenommen. Nicht gefressene, faulige Nahrungsreste werden regelmäßig entfernt und durch frisches Futter ersetzt.

Reinigung:

Eine Reinigung des Terrariums erfolgt, wenn Bodengrund und Behälter z.B. durch eingegrabene Futterreste und den Kot der Larven und Käfer stärker verunreinigt sind. Befinden sich schon geschlüpfte Larven im Substrat, so muss man diese auslesen (verschieden grobe Siebe erleichtern die Arbeit). Haben sich schon Larven verpuppt, so muss man darauf achten, die Kokons, die entweder frei im Boden liegen meist aber an die Behälterwände bzw. Einrichtungsgegenstände angeklebt sind, nicht zu zerstören.
Nicht selten werden Käfer und Larven von Milben befallen. Ist der Befall nur gering, so wirkt sich das nicht nachteilig auf die Tiere aus. Bei stärkerem Befall sollte jedoch der Bodengrund ausgetauscht und die Tiere unter lauwarmem Wasser mit einer weichen Zahnbürste gereinigt werden. Starker Milbenbefall deutet meistens auf zu feuchten Bodengrund und mangelhafte Behälterreinigung hin.

Beobachtung der Entwicklungsstadien:

Will man den Bau des Kokons und die Verpuppung bzw. Umwandlung zum Käfer verfolgen, so lässt sich das in kleinen durchsichtigen Glas- oder Kunststoffbehältern (Glascuvetten, Plastikdosen etc.) erreichen. Hier kleben die Larven ihre Kokons häufig so an die Wände, dass man die Entwicklung wie durch ein Fenster beobachten kann. Man setzt zu diesem Zweck je nach Behältergröße eine oder mehrere große, ca. 4cm lange Larven in den ca. 10 cm hoch mit Substrat gefüllten Behälter und füttert kontrolliert bis zur Verpuppung.

Bezugsquellen:

Die Tiere sind über den Zoohandel (meist nur auf Bestellung) oder auf Insektenbörsen erhältlich.

Einsatz im Unterricht:

Wegen seiner farblichen Attraktivität, seiner tagaktiven Lebensweise und der einfachen Halt- und Züchtbarkeit erscheint uns der Kongo-Rosenkäfer als eine für den Unterrichtseinsatz sehr gut geeignete Art. Hier kann, wie bei dem in einem früheren Steckbrief beschriebenen großen Schwarzkäfer, die Betreuung nach einer kurzen Einführung auch von Schülern übernommen werden. In der folgenden Aufstellung sind einige Beispiele für den Einsatz der Rosenkäfer im Biologieunterricht angeführt:

Literatur: