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Vielstreifen-Schneckenbutnbarsch

(Neolamprologus multifasciatus)

Männchen und Weibchen

Abb.1: Männchen (hinten) und Weibchen des Vielstreifen-Schneckenbuntbarsches. Man sieht die etwas dunklere Färbung des Weibchens.

Einige biologische Daten

Verwandtschaft und systematische Stellung:

Der Vielstreifen-Schneckenbuntbarsch (Neolamprologus multifasciatus) aus dem Tanganjika-See (Abbildung 1) gehört zu den kleinsten bekannten Arten aus der Familie Cichlidae (Buntbarsche).
Der Vielstreifen-Schneckenbuntbarsch gehört zur Gattung Neolamprologus die zusammen mit den Gattungen Lamprologus, Altolamprologus, Lepidolamprologus, Julidochromis, Telmatochromis und Chalinochromis eine evolutions- und verhaltensbiologisch sehr interessante und intensiv bearbeitete Verwandtschaftsgruppe bildet (z.B. Stiassny 1997, Taborsky 1994, Schradin u. Lamprecht 2000, Kohler 1998).

Vorkommen:

Die Buntbarsche bilden mit ca. 200 endemischen (= nur in einem bestimmtenm Gebiet vorkommenden) Arten einen Großteil der Fischfauna des Tanganjikasees. Diese Arten haben sich in dem seit ca. 9-12 Millionen Jahren mehr oder weniger isolierten großen See im ostafrikanischen Grabenbruch aus einigen wenigen Ausgangsarten entwickelt.

Nahrung:

Freilandbeobachtungen haben gezeigt, dass der Vielstreifen-Schneckenbuntbarsch. ein Plankton- und Kleinpartikelfresser ist, der vor allem vorbei treibende Nahrung aus dem freien Wasser schnappt.

Video zur Nahrungsaufnahme (wmv - 1,5MB)
Erläuterung: Jungfische schwimmen im freien Wasser über ihrem Familienterritorium und schnappen nach Schwebpartikeln im Wasser.

Lebensweise und Verhalten:

N. multifasciatus ist als so genannter fakultativer Schneckenbuntbarsch nicht unbedingt auf das Vorhandensein von leeren Schneckenhäusern angewiesen. Bei Schneckenhausmangel werden auch enge Spalten und Hohlräume zwischen am Bodengrund liegenden Steinen als Verstecke und zum Ablaichen genutzt. Da, wo es möglich ist nutzt N. multifasciatus jedoch immer leere Schneckenhäuser als Zufluchtsort bei Gefahr, als Schlafhöhle und zum Schutz von Gelegen und Larven (Abb 2). Im Tanganjikasee sind das meist Gehäuse der großen Wasserschnecke Neothauma tanganicense. Die geringe Körpergröße (Männchen max. 4cm, Weibchen 2,5cm lang) wird als Anpassung an diese Lebensweise gedeutet. Größere Tiere könnten die Schneckenhäuser nicht mehr nutzen. Durch diese Anpassung konnten die ansonsten schutzlosen Weichböden (Sand bzw. Schlamm) mit ihren Ansammlungen von leeren Schneckenhäusern als neuer Lebensraum erschlossen werden (gute Biotopaufnahmen in Konings, 1999 und Büscher, 1998). Neben N .multifasciatus gibt es noch eine Reihe anderer mehr oder weniger nahe verwandter Arten im Tanganjikasee, die diese ökologische Nische, offensichtlich z. T. parallel und unabhängig voneinander, erschlossen haben. Z. Zt. zählt man ca. 15 Arten, die auf leere Schneckenhäuser angewiesen sind und 12 Arten, die sie bei Verfügbarkeit nutzen (Büscher 1998).

Schneckenbuntbarsch bei Schneckenhaus

Abb.2: Weibchen von Neolamprologus multifasciatus vor dem Schneckenhauseingang

Interessant ist, dass viele Schneckenbuntbarsche einschließlich N. multifasciatus offensichtlich die Fähigkeit besitzen sich im Wachstum der Größe der vorhandenen Schneckenhäuser anzupassen.
N. multifasciatus bildet unter günstigen Bedingungen auf den im Tanganjikasee oft sehr ausgedehnten Ansammlungen von leeren Schneckenhäusern (="Schneckenfriedhöfe") größere Kolonien (bis zu 150 Tiere pro m²). In diesen Kolonien liegen viele besetzte Gruppenterritorien dicht nebeneinander. Diese Territorien haben einen Durchmesser von ca. 25-30 cm. Wenn es das Substrat zulässt, graben die Territoriumstiere neben und unter den Schneckenhäusern und deponieren das Material am Territoriumsrand, so dass eine Grube entsteht in deren Zentrum die Schneckenhäuser liegen (siehe Abb. 3 und 4). Die Grubenwälle markieren dann die Territoriumsgrenze (siehe rote Linien in den Fotos).
Die im selben Territorium lebenden Tiere bilden eine soziale Gruppe. Sie zeigen untereinander (nach innen) Gruppenverbindende, soziale Verhaltensweisen und grenzen nach außen (gegen Gruppenfremde) ihr Territorium durch aggressive Verhaltensweisen ab. Nach Freilandbeobachtungen bestehen die Gruppen bei N. multifasciatus in der Regel aus 1-3 erwachsenen Männchen, bis zu 5 erwachsenen Weibchen, bis zu 6 heranwachsenden jungen Männchen und Weibchen sowie bis zu 7 Jungfischen. Das größte Männchen scheint immer dominant über alle anderen Gruppenmitglieder zu sein. Es bestreitet den Hauptanteil der Territoriumsverteidigung, wird dabei jedoch auch von anderen Gruppenmitgliedern unterstützt (Kohler 1998).

Schneckenbuntbarsch Territorien 1
Schneckenbuntbarsch Territorien 2

Abb. 3 und 4: Aufnahmen aus zwei verschiedenen Aquarien (95 x 35 x 35 cm). Die Buchstaben bezeichnen besetzte Gruppenterritorien mit jeweils einigen Schneckenhäusern im Zentrum. Die roten Linien markieren die Territoriumsgrenzen. Sie werden von den Grubenwällen und einigen Steinen gebildet. Der rote Doppelpfeil markiert eine Strecke von ca. 5 cm.

Video zum Graben im Gruppenterritorium (wmv - 1MB)
Erläuterung: Das dominante Männchen u.a. Gruppenmitglieder graben im Territorium und transportieren das Material zur Territoriumsgrenze.

Die erwachsenen Weibchen in einer Gruppe besetzen Schneckenhäuser, die sie gegeneinander aggressiv verteidigen, wobei das dominante Männchen häufig "schlichtend" eingreift und damit die gruppeninternen Aggressionen vermindert (Schradin und Lamprecht, 2000). Gruppenfremde Weibchen werden vom dominanten Männchen weniger heftig angegriffen als gruppenfremde Männchen So haben sie die Möglichkeit sich im Territorium anzusiedeln, sofern sie sich gegen die Gruppenweibchen, von denen sie heftig angegriffen werden, durchsetzen können.

Video zum Verhalten in der Gruppe (wmv - 2,5MB)
Erläuterung: Es wird eine Gruppe aus einem adulten (ausgewachsenen) Männchen als "Gruppenchef", zwei adulten brütenden Weibchen (dunkler gefärbt), einem adulten nicht brütenden Weibchen (heller gefärbt), einem adulten Sohn (dunkler gefärbt und etwas kleiner als sein Vater) und vielen Jungfischen verschiedenen Alters gezeigt.
Die beiden brütenden Weibchen (Nachbarinnen) drohen sich immer wieder und greifen sich dann auch offen an. Das Männchen greift schlichtend ein, indem es die beiden Weibchen zurück in ihre Schneckenhäuser treibt.

Körpermerkmale:

Für die Beobachtung des Sozialverhaltens ist es wichtig, dass man einzelne Gruppenmitglieder an äußerlich sichtbaren Merkmalen voneinander unterscheiden kann. Bei N. multifasciatus sind die Jungfische einheitlich hell (sandfarbig) gefärbt und haben noch keine Streifen (Abb.10). Subadulte zeigen eine beginnende aber noch unvollständige (Abb.9), Adulte eine vollständig ausgebildete Querstreifung (12-17 Streifen). Bei den adulten Tieren erweist sich das Streifenmuster als stabiles individuelles Unterscheidungsmerkmal (Abb. 5-8).

Schneckenbuntbarsch Streifenmuster

Abb. 5 bis 8: Vier verschiedene Individuen (adulte Männchen) von Neolamprologus multi fasciatus mit deutlich unterschiedlicher Streifenzeichnung. Abb 9: Subadulter mit unvollständiger Streifenzeichnung. Abb. 10: Jungfische ohne Streifenzeichnung

Man kann eine Kartei mit den unterschiedlichen Streifenmustern der Einzeltiere anlegen (linke und rechte Körperseite sind meist unterschiedlich gezeichnet!!). Adulte Männchen und Weibchen kann man an der Größe unterscheiden (siehe Abb.1). Weibchen werden im Aquarium nicht größer als 2,5cm, Männchen erreichen Längen von 4cm. Balzaktive und Brutpflegende Weibchen zeigen eine etwas dunklere Körperfärbung, an der man sie in der Regel von noch nicht ausgewachsenen etwa gleichgroßen Männchen unterscheiden kann.

Haltung, Zucht und Pflege

Aquarientechnik und Einrichtungsmaterialien:

Das Aquarium sollte mindestens 60 x 30 x 30 cm groß sein. Richtig eingerichtet (s. u.) lassen sich schon in einem solchen Aquarium gute Beobachtungen zum Sozial- und Territorialverhalten anstellen. Besser sind jedoch größere Aquarien, die mehr Ausweichmöglichkeiten für heranwachsende Jungtiere bieten. Gut ist es, wenn noch ein zweites Aquarium zur Verfügung steht, so dass man die Möglichkeit hat, zu stark verfolgte Tiere oder überzählige Jungfische unterzubringen.
An technischen Geräten benötigt man Regelheizer, Thermometer, Filter und eine Beleuchtung mit einer Zeitschaltuhr. Vor allem bei kleineren Aquarien bewährt es sich einen Außenfilter zu verwenden, da er keinen Platz im Aquarium wegnimmt und seine Reinigung nur geringe Störungen hervorruft. Die Aquarienbeleuchtung (Leuchtstoffröhren) sollte das Aquarium gleichmäßig ausleuchten. Über die Zeitschaltuhr wird sie regelmäßig im 12/12 Std.-Rhythmus gesteuert. Aquarienrück- und am besten auch die Seitenscheiben werden dunkel angestrichen bzw. abgedeckt.
Als Bodengrund verwendet man am besten feinen Sand (Kies) zwischen 0,5 und 3 mm Korngröße. Die räumliche Strukturierung des Aquariums erfolgt mit Flusskieseln unterschiedlicher Form und Größe. Als Schutz gegen den Bruch der Bodenscheibe legt man Styroporplattenstücke unter die schwereren Steine. Leere Schneckenhäuser (z.B. Weinbergschnecken- bzw. Achatschneckenhäuser aus einem Delikatessengeschäft oder selbst gesammelt) werden als Verstecke und Laichhöhlen benötigt.

Einrichtung des Aquariums

Abb. 11: Alles, was man für die Einrichtung braucht (Filter, Regelheizer + Thermometer, Beleuchtung + Zeitschaltuhr, Sand / Kies, Steine + Styroporstücke, Schneckenhäuser). Das Aquarium ist auf der Rückseite mit einer dünnen Korktapete beklebt.

Das Aquarium sollte an der Stelle aufgestellt werden, an der später die Beobachtungen stattfinden (beim Schulaquarium ausreichend Platz für eine Schülergruppe zum Beobachten!!).

Ablauf der Einrichtung:

Als erstes werden die schwereren Steine auf der Bodenscheibe platziert (Styroporunterlage nicht vergessen!!). Anschließend wird der vorher gründlich durchgespülte (keine wesentliche Trübung mehr im Spülwasser!!) Bodengrund ca.6 cm hoch eingefüllt und weitere Steine nach dem angegebenen Plan eingesetzt. Auf diese Weise entstehen zwei voneinander getrennte, freie Flächen als vorgegebene Reviere (Abb.12 u. 13).

Eingerichtetes Aquarium (Aufsicht)
Eingerichtetes Aquarium (Querschnitt)

Abb. 12 und 13: Aquarium 60 x 30 x 30 cm. Verteilung der Einrichtungsgegenstände im Aquarium. Die großen Kiesel im Zentrum bilden die vorgegebene Territoriumsgrenze. Links und rechts davon liegen einige weitere Steine zur Strukturierung und jeweils einige leere Schneckenhäuser. Filterrohr und Heizstab sind in den hinteren Ecken angebracht. An der Oberfläche fluten ein paar Hornblattranken, die zum Schutz der als "Feindfische" eingesetzten Guppies dienen.

Nach dem Einfüllen des Wassers werden auf diesen freien Flächen jeweils mindestens 6-12 Schneckenhäuser ausgelegt. Durch mehrmaliges Drehen im Wasser erreicht man, dass die ganze Luft aus den Schneckenhäusern entweicht und sie auf den Bodengrund sinken. Das Aquarium wird nicht bepflanzt, da die Pflanzen durch die intensiven Grabaktivitäten der Fische früher oder später ausgegraben werden. Da auch im natürlichen Lebensraum in der Regel keine höheren Pflanzen wachsen ist ein pflanzenloses Aquarium durchaus artgerecht. Will man dennoch auf eine Bepflanzung nicht verzichten, so kann man Speerblatt-Arten (z.B. Anubias nana, das Zwergspeerblatt) verwenden, die auf den Steinen angebunden werden können (Abb.14) und dann dort mit ihren Haftwurzeln festwachsen. An der Oberfläche kann man z.B. Hornblatttranken (Ceratophyllum demersum) fluten lassen.

Zwergspeerblatt

Abb. 14: Anubias nana (Zwergspeerblatt) auf einem Stein festgewachsen

Die technischen Geräte (Heizer, Filter bzw. Filterrohre) werden möglichst in den hinteren Ecken angebracht. Sie sollten leicht zu bedienen sein, ohne dabei allzu große Störungen zu verursachen.
Die Temperatur wird zwischen 24 und 27°C. eingestellt, die Wasserhärte auf ca. 10°dH und der pH-Wert sollte im alkalischen Bereich (um 8,5) liegen.

Einsetzen der Fische:

Ca. eine Woche nach der Einrichtung kann man die Fische einsetzen. Ein Aquarium von 60x30 cm² Grundfläche bietet Platz für 2 größere (geschlechtsreife) Männchen sowie mehrere Weibchen und Jungfische. Am besten besorgt man sich die Tiere direkt bei einem Züchter bzw. Liebhaber oder einem fachkundigen (!!) Zoohändler (Info über Fachvereinigungen und Bezugsmöglichkeiten im Anhang). Vor dem Fangen beobachtet man die Tiere einige Zeit, um Männchen und Weibchen identifizieren zu können (siehe Abb.1) und festzustellen, in welches Schneckenhaus sie fliehen. Man kann sie dann ohne Probleme mitsamt dem Schneckenhaus aus dem Aquarium holen und in einen Transportbeutel geben (aufpassen, dass keine Luft ins Schneckenhaus gelangt!! / siehe Abb.15 ).

Fische fangen im Schneckenhaus

Abb. 15: Beim Fangen und Transportieren der Fische die Öffnung des Schneckenhauses nach oben halten und mit dem Daumen verschließen!!!

In jedes der beiden durch die Einrichtung vorgegebenen Territorien werden ein geschlechtsreifes Männchen und zumindest ein Weibchen gesetzt. Dazu kann man noch einige Jungfische und Subadulte geben. Die Männchen sollten ungefähr gleich groß sein. Alle Fische sollten zugleich eingesetzt werden. Vor allem in kleineren Behältern haben später hinzugesetzte Tiere meist keine Chance, sich einen Platz im Aquarium zu erobern. Neben den N. multifasciatus kann man je nach Größe des Aquariums einige Kleinerbleibende, Aufwuchsfressende Harnischwelse (z.B. Ancistrus spec. / Abb.16) als "Putzkolonne" einsetzen.

Antennenwels als Putzer

Abb. 16: Antennenwels (Ancistrus spec.) als Putzer für das Buntbarschaquarium

Z.T. konkurrieren größere Exemplare aber mit den Buntbarschen um Höhlen (z.B. größere Schneckenhäuser). Falls dadurch die Buntbarsche allzu sehr bedrängt oder gar vertrieben werden, muss man die Welse wieder entfernen bzw. ihnen Höhlen anbieten, die für die Buntbarsche weniger attraktiv sind, wie z.B. Bambusrohr-Stücke oder ganz schmale Spalten zwischen Steinen. Wenn die innerartliche Aggression zwischen den N. multifasciatus sehr groß ist, kann es nützlich sein einige Guppies (Poecilia reticulata) (Foto) als "Feindfische" einzusetzen, so dass die Aggressionen teilweise auf diese "umgeleitet" werden. Die Guppies halten sich bevorzugt in den oberen Wasserbereichen auf, wo sie den Angriffen auch leicht entgehen können (evtl. Schwimmpflanzen einsetzen).

Fütterung und andere Pflegearbeiten:

Als tägliches Grundfutter kann man handelsübliches, feineres Trockenfutter verwenden und zusätzlich entweder Lebendfutter wie z.B. Wasserflöhe, Ruderfußkrebse, Mückenlarven oder Tubifex bzw. entsprechendes Tiefkühlfutter aus der Zoohandlung. Es ist besser mehrmals am Tag kleinere Mengen zu verfüttern als einmal eine große Menge. Ebenfalls täglich sollte die Funktion der technischen Geräte überprüft werden und eine mindestens 15-20 Minuten dauernde Beobachtung der Fische erfolgen.

Alle 2-3 Wochen wird ca. 1/4 - 1/3 des Aquarienwassers durch frisches Wasser ersetzt und bei Bedarf die Sichtscheibe gereinigt. Damit verbunden ist es sinnvoll die Wasserwerte (Wasserhärte, pH-Wert, organische Belastung) mit den entsprechenden Messreagentien zu überprüfen.

Bei Schulaquarien sollten die betreuenden Schüler ein Protokoll über alle ihre Pflegetätigkeiten und Beobachtungen führen:

Anleitung Pflege und Protokollführung (pdf, 120KB)
Protokollblattmuster (pdf, 100KB)

Anregungen für Beobachtungen und Experimente:

Die Schneckenbuntbarsche eignen sich in besonderem Maße für Verhaltensbeobachtungen. Ohne großen Aufwand kann man, so wie oben beschrieben, 2 territoriale Gruppen über längere Zeit auch in einem kleinen Aquarium halten und dabei die vielfältigen Interaktionen der Gruppenmitglieder untereinander und gegenüber Mitgliedern der Nachbargruppe beobachten. Das sind z.B. Verhaltenweisen der Territoriumsgründung und Territoriumspflege, wie die sozialen Verhaltensweisen zwischen dem dominanten Männchen und den Gruppenweibchen oder den Subadulten und Jungfischen oder auch Grabaktivitäten zum "Eingraben" der Schneckenhäuser. Verhaltenweisen gegenüber Mitgliedern der Nachbargruppe dienen meist der Territoriumsverteidigung bzw. auch -erweiterung. Sie werden sowohl von den adulten Tieren als auch von den Jungfischen gezeigt. In der Literatur gibt es gute Beschreibungen der beobachtbaren Verhaltensweisen (z.B. Kohler 1998, Kalas 2002). Sie können an Hand dieser Beschreibungen auch leicht identifiziert werden.

Mit Hilfe dieses vorhandenen Hintergrundwissens kann man z. B. von den Schülern ein Ethogramm (=Beschreibung des Verhaltensinventars, Verhaltenskatalog) der Schneckenbuntbarsche erarbeiten lassen.

Ein verlässliches Ethogramm ist die Basis für alle weiterführenden verhaltensbiologischen Beobachtungen und Versuche. Bevor man also mit Schülern verhaltensbiologische Versuche durchführt, sollten sie erfahren, wie man Verhaltensweisen beobachten, verlässlich beschreiben und auf diese Weise ein Ethogramm aufstellen kann.

Anschließend kann man die beobachteten Verhaltensweisen genauer analysieren. Dazu kann man, so wie das die "Profis" auch tun, die Verhaltensweisen mit einer Videokamera aufzeichnen und sie dann ganz genau und immer wieder anschauen.

Hier einige Beispiele für relativ leicht bearbeitbare Fragestellungen:

Auf diese Weise lassen sich z.B. in einem "Projekt Verhaltensbiologie" mit relativ einfachen Mitteln grundlegende Methoden und Fragestellungen der Verhaltensbiologie an einem ganz konkreten und praktischen Beispiel erarbeiten und so exemplarisch ihre Bedeutung für die Aufklärung der sozialen Organisation einer Tierart transparent machen (ausführlichere Angaben zum Unterrichtseinsatz von N. multifasciatus bei Kalas 2002).

Hilfreiche Institutionen und Infomaterialien

Aquaristische Vereinigungen

Aquaristik Fachzeitschriften

Für die thematische Aufarbeitung hilfreiche Literatur:

Unterlagen zu diesen und weiteren Möglichkeiten zum Einsatz der Buntbarsche im Unterricht sind im SBZ erhältlich.