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Kritzelbilder

Eine kreative Methode, die hilft Gefühle auszudrücken

Kritzelbilder helfen als „Stimmungsbarometer“ Befindlichkeiten, Stimmungen oder Gefühle unterschiedlichster Art gut „auf den Punkt“ zu bringen. Jeder Schüler/jede Schülerin bekommt dazu ein Blatt Papier und soll darauf kritzeln, wie er/sie sich im Moment fühlt. Anschließend wird darüber miteinander geredet. Diese Methode ist effektiv, wenn es um den Ausdruck von Gefühlen geht und nimmt überdies wenig Zeit in Anspruch.

Konkret geht dieses Anfertigen von Kritzelbildern folgendermaßen vor sich:

1. Bevor eine Einstimmung gegeben wird, legen die Schülerinnen und Schüler ein weißes Blatt Papier (A4) und Buntstifte, farbige Filzstifte oder Ölkreiden vor sich hin. Dann werden sie gebeten, sich bequem hinzusetzen und die Augen zu schließen. Sie sollen einige Male tief durchatmen und ruhig werden.

2. Dann kann die Lehrerin/der Lehrer das Thema formulieren, das offen sein soll und den Schülerinnen und Schülern viel Spielraum geben soll.

Zum Beispiel: "Du hast in den letzten Tagen wahrscheinlich öfters Nachrichten über das AKW Fukushima gehört oder vielleicht auch mit Freunden oder deinen Eltern darüber gesprochen. Was empfindest du, wenn du an das AKW denkst? Spüre in dich hinein. Wie geht es dir mit diesen Informationen? . Du sollst nichts verändern, sondern einfach nur nachspüren .(einige Minuten Pause)... Öffne nun die Augen, wähle dir spontan einen Buntstift aus und mache damit ein Gekritzel, das ausdrückt, wie es Dir jetzt geht. Du sollst kein Bild malen, sondern einfach nur ein Gekritzel machen, ganz flott und spontan. Alles ist okay, es gibt kein falsches oder richtiges Gekritzel."

Es ist wichtig, dass diese Striche nicht konzipiert und überlegt werden, denn damit würde die Unmittelbarkeit des Ausdrucks gebremst werden.

3. In einem nächsten Schritt werden die Schülerinnen und Schüler nun gebeten, ihrem Kritzelbild einen Titel zu geben. Dieser kann aus einem Wort bestehen oder auch aus einem ganzen Satz.

4. Anschließend gibt es eine Vorstellrunde: Jede/r zeigt sein Kritzelbild den MitschülerInnen, nennt den Titel und erzählt kurz über die momentan vorherrschenden Gedanken und Gefühle.

Es ist günstig, beim Vorstellen der Kritzelbilder wie bei einem "Blitzlicht" vorzugehen. Das heißt, dass über die einzelnen Statements nicht diskutiert wird. Am Ende der Präsentationen kann dann in die Diskussion im Plenum übergegangen werden.

Die folgenden zwei Kritzelbilder wurden von einer Studentin und einem Studenten zur aktuellen Situation im AKW Fukushima gemacht und kommentiert:

Lernen nichts

Ich habe in erster Linie eine riesige Wut über all das, was da jetzt in den AKWs passiert. Die Atomlobby versucht immer noch so zu tun, als ob alles beherrschbar wäre. Wenn ich dran denke, dass wir in Österreich von mehreren Atomkraftwerken umgeben sind, dann wird mir schlecht. Meine Eltern haben mir von damals erzählt, als der Super-Gau im AKW Tschernobyl passiert ist. Ich verstehe eigentlich nicht, warum die Menschen nichts daraus gelernt haben, wo sie doch erlebt haben, dass die radioaktive Strahlung sich über hunderte Kilometer ausgebreitet hat.

Explosion

Spontan sind mir die Rauchwolken über dem AKW Fukushima eingefallen und dann hatte ich auch komischerweise Bilder von der Flut vor mir. Obwohl ich das nie gesehen habe, habe ich mir Feuerwehrleute vorgestellt, wie sie Wasser auf den Brandherd spritzen. Ich stelle mir das immer als Brandherd vor, auch wenn das nicht stimmt. Dann. grau, nebelbedeckte Landschaft, aus der das AKW heraus ragt. Etwas beklemmend. Angst vor allem. Angst vor dem Ungewissen, ob es noch zu einem Super-Gau kommen wird oder nicht.

Lesen Sie hier ein Beispiel für einen Unterricht mit einer 5. Schulstufe, in dem Kritzelbilder intensiv zum Einsatz gekommen sind. Dieser Unterricht fand zwar schon vor etlichen Jahren statt, Sie werden aber sehen, dass die Thematik an Aktualität leider noch nichts eingebüßt hat:
Unterbruner, U. (1996). Spielraum für Emotionen. Das Thema Legebatterie in der Orientierungsstufe. In: Praxis Geographie Heft 7-8, 14-17.

Zusammengestellt von Ulrike Unterbruner, Foto von Ulrike Unterbruner