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Mein Baum erzählt mir...

Mein Baum erzählt mir...

"Mein Baum erzählt mir..." ist eine Kombination von Naturerfahrung und kreativem Schreiben. Die im Spiel "Baum begreifen" gefundene Beziehung zu einem Baum kann noch vertieft und weitergeführt werden.

Anleitung:
Man sucht sich seinen Lieblingsbaum und setzt sich dort bequem hin. Block und Stift für das anschließende Schreiben liegen bereit. Dann schließt man für einige Minuten die Augen, hört auf seinen Baum, fühlt seinen Stamm am Rücken, erinnert sich nochmals an die sinnlichen Erfahrungen, die man beim "Baum begreifen" gemacht hat ... und schreibt dann auf, was einem dieser Baum wohl erzählen könnte.

Gelände:
Wald, keine besonderen Anforderungen

Materialien:
Papier, Schreibunterlage, Stift

Didaktische Überlegungen:
"Mein Baum erzählt mir..." eignet sich für Menschen ab 8 Jahren, die Gefallen am Spiel "Baum begreifen" gefunden haben.
Es empfiehlt sich, dass dieses kreative Schreiben durch die Lehrerin/den Lehrer selbst und nicht in Form eines Arbeitsblattes angeleitet wird.

Dieses Schreiben kann auch einige Tage später - zum Beispiel in der nächsten Unterrichtsstunde nach dem Lehrausgang - durchgeführt werden. Dann gilt es, den Kindern ihre Erlebnisse mit den Bäumen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Dies kann etwa so geschehen: Sie ersuchen die Kinder, sich bequem hinzusetzen, die Augen zu schließen und sich zu entspannen (eventuell unterstützt von leichter Meditationsmusik). Dann führen Sie die Kinder in Gedanken in den Wald und zu ihrem Lieblingsbaum zurück: "Erinnere dich, wie dein Baum ausgesehen hat, wie er sich angefühlt hat. Wie dick war er? Wie hast du seine Rinde mit den Fingerspitzen wahrgenommen? ... (kurze Pause) ... Schreibe nun auf, was dir dieser Baum wohl erzählen könnte! Schreib einfach drauf los!"
Wichtig ist, alle Ideen der Kinder zu akzeptieren. Vermeiden sie es, diese Aufsätze den üblichen Bewertungskriterien zu unterziehen. Nicht Rechtschreibung und Aufsatzgliederung, sondern die Fantasie und das freie Laufenlassen von Assoziationen gedanklicher und gefühlsmäßiger Art stehen dabei im Vordergrund. Unsere Erfahrungen zeigen, dass diese Aufsätze im Biologieunterricht vielfältiger ausfallen, als wenn sie im Rahmen des Deutschunterrichts geschrieben werden.

Beispiele:
Die folgenden Aufsätze stammen von drei Schülerinnen einer 3. Klasse Hauptschule. Sie wurden einige Tage nach ihrem Lehrausgang auf einen der Stadtberge geschrieben, dessen Inhalt Naturerfahrungsübungen und -spiele waren. Über Umweltverschmutzung wurde beim Lehrausgang übrigens nicht gesprochen.

"Ich bin schon sehr alt und habe schon viel erlebt. Leute waren hier, die den Wald verschmutzt haben und die ihn geschützt haben. Was Ihr da macht, finde ich toll. Ich weiß, dass es euch Spaß macht. Ihr habt all eure Bäume wieder erkannt.
Hier am Mönchsberg ist schon viel passiert. Leute bewundern mich, wenn sie Rast machen; dann hängen sie ihre Sachen auf meine Äste. Kinder klettern auf mir herum. Manchmal werde ich sogar fotografiert. Da ich schon sehr alt bin und noch dazu krank bin, werde ich nicht mehr lange hier stehen. Danke, dass Ihr mich ausgesucht habt! Das war vielleicht das letzte Mal, dass ich Menschen gesehen habe, die mich bewundern."

"... Ich komme aus einem Samen. Meine Eltern kenne ich nicht. Ich bin 10 Meter hoch. Eine Frechheit ist bei der ganzen Sache: Mich machen dauernd die Hunde an! Die Menschen schneiden mich und tun mir weh. Aber eines ist schön: Ich bringe Vögeln Schutz und sie können bei mir Nester bauen. Das macht viel Spaß!"

"Da ich schon einige Jahre alt bin, habe ich viel erlebt. Ich habe gesehen, wie sich die Umgebung und die Menschen verändert haben. Mich stört es sehr, wenn die Leute den ganzen Mist auf die Straße werfen. Doch eines verstehe ich immer noch nicht: Warum haben sie diese komischen Kisten mit Rädern gebaut, die man Autos nennt. Immer wenn ich ein Auto sehe, möchte ich am liebsten davon laufen, so stickig ist dann die Luft. Ich habe aber noch Glück gehabt mit meinem Platz, denn er ist sehr ruhig. Aber ich könnte ausrasen, wenn ich höre, dass meine Freunde neben der Autobahn fast alle krank oder tot sind. Ich hoffe, dass sich das mit der Zeit ändert."